Dr. Miriam van Rickeln: Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist bei mir in den letzten 5 Jahren immer größer geworden. Ein sehr wichtiger Aspekt für mich war die damit verbundene Unabhängigkeit, die man mit einer Selbständigkeit erhält. Man kann sein eigener Chef sein. Ich habe über die letzten Jahre zunehmend meine Freude entdeckt, neue Tätigkeiten zu erlernen und damit auch Aufgaben außerhalb meines direkten Arbeitsumfeldes zu übernehmen. Als Selbständige gleicht kein Tag dem anderen, immer wieder gibt es Veränderungen oder Probleme, auf die wir flexibel reagieren müssen. Ich möchte gerne neue Ideen im Praxisablauf integrieren und eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen. Eine Selbstständigkeit bietet mir die Möglichkeit, persönlich und finanziell zu wachsen.
Prof. Dr. Henrik Michaely: Die zahlreichen Tätigkeiten, die neben der eigentlichen Befundung in der Praxis anfallen, haben sich in den letzten Jahren deutlich vermehrt. Gesetze und Verordnungen werden kurzfristig erlassen, Änderungen im Arbeitsablauf und der Abrechnung machen Umstrukturierungen notwendig. Das erfordert eine kontinuierliche gute Kommunikation mit dem gesamten Team. Allein ist diese Tätigkeit nicht zu schaffen. Wir hatten bereits innerhalb der bestehenden Gesellschafter Tätigkeitsfelder persönlich zugewiesen, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass wir zum Aufrechterhalten einer hohen administrativen Prozessqualität weitere Gesellschafter in diesen Funktionen benötigen. Die Wahl fiel in diesem Zusammenhang sehr schnell auf Frau Dr. van Rickeln, da sie sich bereits als angestellte Ärztin freiwillig und ausgiebig um die Weiterentwicklung des Personals kümmerte und auch sehr gut mit den zuweisenden externen Kollegen vernetzt ist. Dass wir damit im Führungsteam auch ein weibliches Mitglied haben, war ein weiteres Argument für Frau von Rickeln.
Prof. Dr. Henrik Michaely: Finanzielle Aspekte haben bei der Erweiterung des Gesellschafterkreises keine direkte Rolle gespielt. Hauptziel war dabei, die administrativ anfallende Arbeit optimal zu verteilen und erledigen zu können und somit defacto eine Stabilisierung des Status Quos bei ansteigenden Anforderungen zu erreichen. Natürlich wäre es erfreulich, wenn wir letztendlich durch eine höhere Prozessqualität oder bessere Außenwirkung höhere Einnahmen erzielen könnten. Die stand jedoch nicht im Vordergrund bei der Erweiterung des Gesellschafterkreises.
Dr. Miriam van Rickeln: Wichtig bei der Selbstständigkeit ist vor allem, dass man Lust darauf hat und voll hinter seiner eigenen Idee steht. Geld sollte auch in einer Selbständigkeit nie die Hauptmotivation sein. Um langfristig erfolgreich zu sein sollte man wirklich lieben was man tut. Ein sehr wichtiger und hilfreicher Punkt ist der direkte Austausch mit bereits selbständigen Kollegen. Von ihnen erfährt man wertvolle Tipps und auf welche Dinge besonders zu achten ist. Man benötigt fachmännische Beratung, aber auch ein gewisses Vertrauensverhältnis zu den Berater:innen der finanzierenden Bank. Die größte Herausforderung für mich war der Ablauf der Übernahme. Welche Dokumente werden benötigt, welche Versicherungen, welche Anträge sind erforderlich an wen kann man sich wenden. Der Einstieg in die Selbständigkeit wird einem deutlich erleichtert, wenn man schon eine gewisse Zeit in der Praxis, in die man einsteigen möchte, gearbeitet hat. Man kennt bereits seine direkten Kollegen und die Praxisabläufe.